Stellwerk Bad Schwartau ‘Sn’ 1:220

Idee zum Modell
Das Stellwerk ‘Sn’
Baudetails

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Idee zum Modell
In den vergangenen Jahren sind in der Spur-Z-Szene sogenannte Stammtisch-Brettchen, Frühstücksbrettchen, Dielen oder auch Planken entstanden. Alle bezeichnen im Grunde genommen dasselbe – auf einer kleinen Fläche kann der Modellbahner etwas darstellen, das dann mit Gleichgesinnten zu einem großen Ganzen zusammen gefügt werden kann.

Auf dem Stammtisch der Z-Freunde Springe sind die XS-Dielen (Brettchengröße 20 x 11cm – detailierte Bauanleitung) entstanden und auf dem Z-Treffen 2016 in Altenbeken (ausgerichtet vom ZFI) wurden ein Teil davon ausgestellt.

Da ein Kontakt zum Stammtisch Springe besteht habe ich mir Anfang 2016 überlegt eine XS-Diele für diese Verstaltung beizusteuern.

Aber was stellt man da? Norddeutsch sollte es schon sein! Warum nicht das Stellwerk, indem sich sich der Spur Z Stammtisch Bad Schwartau trifft?

Stellwerk und Schrankenwärter Evers(Quelle: Sammlung von Hans-Harald Kloth; rechts:Weichenwärter Evers 1952 im Stw Sn)

Stellwerk und Schrankenwärter Evers
(Quelle: Sammlung von Hans-Harald Kloth; rechts:Weichenwärter Evers 1952 im Stw Sn)

Das Stellwerk ‘Sn’
In den 1930er Jahren genügte der Bahnhof in Bad Schwartau nicht mehr den Anforderungen, die diese zur Eröffnung der logo_wikipedia Eutin-Lübecker Eisenbahngesellschaft (ELE) im Jahre 1873 gestellt worden waren. Der Bahnhof wurde erweitert und im Rahmen dieser Maßnahmen, jetzt unter dem Dach der Deutschen Reichsbahn, wurden die Einheitsstellwerke “Sn” und “Sf” (Elisabethstraße) errichtet. Ausgestattet wurden beide mit entsprechenden mechanischen und elektrischen Sicherungen. Ein Teil der alten mechanischen Stellwerkstechnik, die aus Wuppertal stammt, kann noch heute besichtigt werden. Im kleinen Rahmen ist diese sogar noch funktionsfähig und so kann der interessierte Eisenbahnfreund ihre Funktionsweise verstehen. Darüber hinaus befindet sich auf dem Gelände eine umfangreiche Sammlung alter Gleis- und Weichentechnik.

Vom 22.4.1944 bis 2003 erfüllte “Sn” somit seine Aufgabe als Wärterstellwerk bis die (Fern)Steuerung nach Hannover umgestellt wurde.

Stellwerk 'Sn' 2016

Stellwerk ‘Sn’ 2016

Seit 2005 ist das Gebäude das Vereinsheim der Eisenbahnfreunde Bad Schwartau und wird seither gehegt und gepflegt – das Gebäude, wie auch die erhaltene Eisenbahntechnik.


Darstellung
Durch die Vorgabe der XS-Dielen, dass nur ein Gleis zur Verfügung steht, wandert der Betrachtungspunkt auf die Mitte des Bahnübergangs Geibelstraße. Um auch als Einzelbrettchen im Verband bestehen zu können ist die Verladestraße (Richtung Lübeck) einem Wanderweg zum “Opfer” gefallen der dann wieder in einem Busch verschwindet. Alles andere ist der allgemeinen Topografie angepasst worden und auch der Garten entspringt der künstlerischen Freiheit des Erbauers.

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Nachträglich hat sich zur Ausgestaltung noch eine Geschichte ergeben. Den Eisenbahnfreunden hat sich eine Dame angeschlossen die uns immer mit Kaffee versorgt und etwas auf die “Ordnung” (Männerwirtschaft) achtet. Der Kontakt ist in einem Gespräch über den Gartenzaun entstanden – es könnte so gewesen sein, wie im Modell dargestellt. Zumindest wurde ich schon gefragt, ob es Absicht war diese Szene nachzustellen?


Baudetails

Die Grundidee für das Modell zeigt nachfolgendes Bild. Der Geländeunterbau aus Styrodor und ein erstes Handmodell für das Stellwerk aus Papier.

Handmodell

Handmodell

Die Entwicklung des Gebäudes hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen um das richtige Mauerwerk zu finden und auch um ein zufriedenes Druckergebnis zu erzielen. In einem ortsansässigen Copy-Shop gibt es eine Maschine mit 6000dpi (!) – da war es dann, das erwünschte Druckergebnis. Am Ende wurde das Stellwerk wie folgt gebaut:

  • Erstellung einer Abwicklung des Hauptgebäudes in Inkscape auf Basis von Mauerwerkstexturen der Fa. Röben. In diese Abwicklung wurde lediglich die Grafik für den Stellwerksnamen und Beschilderung eingearbeitet. Fenster wurden nicht berücksichtigt.
  • Erstellung des Gebäudetorsus im AutoCAD um dann diesen von Rainer Tielke aus Polystyrolplatten fräsen zu lassen. Es wurden zwei Schichten erstellt. Eines mit den Fensteröffnungen (weiss) und eines mit den Fenstersprossen (schwarz). Bei einem möglichen nächsten Projekt würde ich die Materialfarben tauschen um das Anmalen der Fenstersprossen zu ersparen.
  • Aufkleben der äußeren Mauerwerksschicht auf die Abwicklung mit Ponal und Einschneiden der Fenster, wie auf www.Gerhardingen.de beschrieben.
  • Zusammenkleben der gesamten Gebäudes. (Auf gleiche Art und Weise wurde mit dem Vorbau an der Wallseite verfahren)
  • Ein Fussboden für die erste Etage wurde mit berücksichtigt um eine nachträgliche Ausstattung mit einem Blocksicherungswerk vornehmen zu können
  • Der Raum in Richtung Fahrbahn wurde mit dünnem Furnierholz vertäfelt und gebeizt.
  • Das Dach ist aus Kibri Dachplatten (7970) ausgeschnitten, auf Gehrung geschliffen und verklebt. Später wurde die Fläche gealtert.
  • Regenrinne – wer sich fragt wie diese erstellt wurde, der muss sich noch etwas gedulden! Die ist noch nicht gefertigt. Bis dato gibt es nur Regenfallrohre die sich positiv auf das Modell auswirken. Die ansonsten so “platte” Gebäudewand wirkt jetzt plastischer.

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Beschäftigt man sich einmal näher mit Kiefern, dann sieht man erst wieviele Kiefern in Schleswig-Holstein zu finden sind. In dem Mischwald hinter dem Stellwerk sind diese ebenfalls vorhanden. Nach der von Andreas Petkelis beschriebenen Methode wurden für dieses kleine Brettchen 5 Kiefern gebaut. H0-Bahner sagten kürzlich, dass hier endlich einmal die Proportionen stimmen. Immerhin sind die Kiefern ca. 15cm hoch.

Bauphase 1 - Begrünung

Bauphase – Begrünung


Nachdem der Unterbau aufgeklebt und mit Gips anmodelliert wurde kam braune Abtönfarbe als Grundfarbe zum Einsatz. Der Wanderweg aus einem Gemisch von Sand, Holzleim und Farbe wurde dann aufgetragen. Die Stützmauer hinter dem Stellwerk ist ein Werk aus alten Spur-Z-Schienen zwischen die dünne Holzstreifen, als Schienenschwellenersatz, geleimt wurden. Im Herbst gesammelte Buchenhecken-Zweige, entsprechend gekürzt, definieren den Weidezaun zu den Gleisanlagen. Die Drähte sind Kupferlackdraht – leider stand kein schwarzer Kupferlackdraht zur Verfügung.

Die Begrünung entstammen meinen ersten Versuchen mit dem neu beschafften Elektrostaten von RTS-Greenkeeper. Siehe auch Begrasertest beim Z-Stammtisch Bad Schwartau.

Eingefärbe Furnierhölzer bilden die Abdeckung des Zugangsschachtes für die Signalkabel zwischen dem künftigen Stellwerkstandort und den Gleisanlagen.

Die Geibelstraße wurde aus einem römische Kopfsteinpflaster von Faller (Nr. 222569) ausgeschnitten. Der Bürgersteig wurde aus gleichartigem Rechteckpfaster gefertigt und aufgeklebt. Die Fahrspuren sind mit Pastelkreide nachgezeichnet und dann mehrfach mit Aceton (giftig!) verwischt worden. Dieser Vorgang wurde mehrmals wiederholt. Aceton hat den Vorteil das es verdunstet (gut lüften!) und somit nicht die Mauerpappe aufweicht.

Bauphase 2 - Belaubung, Schotter und erste Details

Bauphase 2 – Belaubung, Schotter und erste Details

Nach der Grundbegrünung steht das allgemeine Buschwerk aus Folliage (Woodland 95410) an mit einzelnen Büschen aus Clump Foliage (Woodland 95510). Rund um das Stellwerk gibt es eine Pflasterung die ebenfalls aus Faller Mauerplatten erstellt worden ist. Die Bahnschranke wurde errichtet (siehe unten) und die Weichen- / Signalspanner aufgestellt – Eigenfabrikation als 3D-Druck.

Obwohl die verwendeten Rokuhan-Gleise ein Schotterbett besitzen habe ich diese in die allgemeine Schotterung (Heki 3332) einbezogen, weil es mir sonst zu künstlich aussieht und das Gesamtbild stört.

Jetzt fallen da noch weiße Stecknadelköpfe auf – diese kennzeichnen die späteren Baumstandorte. Die Löcher habe ich vor der Bepflanzung gebohrt.

Bauphase 3 - Bäume, Fahrzeug und Garten

Bauphase 3 – Bäume, Fahrzeug und Garten

In der nächsten Bauphase wurde der LKW mit Fahrer (siehe Bild “Detail – Bahnübergang”), aufgestellt und der Gemüsegarten angelegt. Die Frau des Diensthabenden erholt sich auf der Bank von der anstrengenden Gartenarbeit. Auch einen Parkplatz für die Bediensteten gibt es jetzt schon, obwohl die Kollegen mit dem Fahrrad kommen und die nächste Schicht ein “Pläuschchen” am Zaun hält. Der Junge zerrt schon seine Mutter an die Schranken um den vorbeifahrenden Zug zu sehen.

Eine Preiser-Figur musste ihren Unterleib lassen damit der Wagen einen Fahrer bekommen konnte. Auf dem fertigen Modell befinden sich letztendlich 8 Personen.

Detail - Bahnübergang

Detail – Bahnübergang

Ein weiteres wichtiges Element auf der XS-Diele ist die Bahnschranke. Es gibt zwar einen Bahnübergang von Herrn Jörger, aber eine “einfache” Beschrankung, die auch im Preis-Leistungsverhältnis passt habe ich nicht finden können. Also selberbauen. Die Grundlage bildet ein 0,5mm-Messingdraht der mit einem roten Zebrastreifen (Papierausdruck) umwickelt wurde. Zum Schutz dann noch mit Klarlack überzogen. Der mechanische Teil besteht aus 3 Polystyrol-Streifen die aufeinander geklebt wurden. Der Messingdraht wurde über den mittleren Streifen geführt und endet in einem rechteckigen Poly-Streifen. Schwarz angemalt stellt dieser das Gegengewicht dar.

Der Zaun stammt aus einer Kibri-Packung und die Andreas-Kreuze sind bemalter Messingdraht mit ausgeschnittenen Kreuzen. Der LKW wurde im Märklin-Shop erworben und entstammt ursprünglich dem Museumswagen 2005 “Württembergische Samenzentrale”.

Detail - Garten

Detail – Garten

Zum letzten Detail gibt es nicht mehr viel zu schreiben, da dieses auf Basis der mehr oder minder bekannten Materialien (Flocken, Hölzchen, Holzleim und Erde) entstanden ist. Am linken Bildrand, neben dem Fenster und auf Höhe des Blumenkastens, ist noch ein Streckenscheinwerfer zu finden. Hierzu wurde ein Stecknadelkopf von Herrenoberhemden entsprechend plangeschliffen und angemalt. Ein zweites Exemplar findet sich auf der anderen Seite, in Richtung Lübeck.

Was nur auf dem aller ersten Bild zu sehen ist – ein Jägermeister-Schienenbus kann auf den Gleisen platziert werden. Seitliche Stromanschlüsse an den Gleisen ermöglichen eine entsprechende Beleuchtung.

Ausblick
Bekanntlich ist eine Eisenbahn nie fertig und so verhält es sich auch mit dem Stellwerk. Es fehlt noch die passende Innenausstattung. Wer denkt, dass so etwas im Maßstab 1:220 nicht möglich ist – der irrt, wie man am Beispiel von Götz Guddas am Stellwerk Sägethal sehen kann (Trainini Nr 76, 11/2011, Seite 18ff).

Über TheAuthor

Moin Moin, wie der Norddeutsche sagt. Mein Name ist Jan Tappenbeck. Ich betreibe diesen Blog der über Dinge berichtet die in meinem Umfeld passieren bzw. die mich interessieren. Mein Schwerpunkt liegt hierbei im OpenStreetMap-Umfeld sowie der Modelleisenbahn in Spur Z - blicke aber auch immer mal gerne über den Tellerrand.
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